"Wir haben für jeden Anwendungsfall den passenden Werkstoff!"

Interview mit Dr. Jürgen Sterlepper über die Auswahl des besten Werkstoffs

Interview mit dem Geschäftsführer Dr. Jürgen Sterlepper

Seit dem 1. Januar 2006 ist Dr. Jürgen Sterlepper Mitglied der Geschäftsführung der BBT Thermotechnik GmbH. Anlass genug, ihn vorzustellen und ihn zu einem Thema zu befragen, für das hauptsächlich er mit seinem Entwicklungsteam verantwortlich ist: der Auswahl des besten Werkstoffs.

Frage: Herr Dr. Sterlepper, unsere Leser möchten sicher etwas über den Werdegang des Bereichsvorstands erfahren.

Dr. Jürgen Sterlepper: Gern, ich habe an der RWTH Aachen Maschinenbau mit der Fachrichtung Wärmetechnik studiert und 1992 am Lehrstuhl für Angewandte Thermodynamik promoviert. Danach war ich bei einer von der Hochschule ausgelagerten Firma als Entwicklungsdienstleister für die Heizungsbranche tätig und habe dort u. a. auch Projekte für Buderus abgewickelt.

Frage: Und so sind Sie 1995 zu Buderus gekommen?

Dr. Jürgen Sterlepper: Ja, zunächst als Abteilungsleiter Entwicklung für Gasheizkessel im Werk Lollar. Nach vier Jahren habe ich die Leitung Vertrieb Technik übernommen und war verantwortlich für die technische Kundenberatung in allen Buderus Niederlassungen in Deutschland und für die Beratung von Planungsbüros zu Fragen der Heizungstechnik.

Frage: Ein Entwickler mit soviel Vertriebsverantwortung ist nicht alltäglich.

Dr. Jürgen Sterlepper: Richtig, aber es war mein Wunsch, und ich habe dabei sehr viel über Märkte, das heißt vor allem über die Bedürfnisse der Heizungsbauer für den Mittel- und Großkesselbereich sowie der Planungsbüros gelernt. Ich besuche auch heute so häufig wie möglich unsere Niederlassungen und Kunden.

Frage: Sie konnten auch den britischen Markt kennen lernen. Wie kam es dazu?

Dr. Jürgen Sterlepper: Ich bin im Rahmen der Zusammenführung von Bosch Geschäftsbereich Thermotechnik und Buderus nach Worcester in England gegangen. Aufgrund der neuen Gesetzgebung in UK musste die Produktion von wandhängenden Gas-Heizwertgeräten auf Brennwertgeräte umgestellt werden. Davon war das gesamte Produktprogramm betroffen. Es musste alles sehr schnell gehen, ohne Kompromisse bei der Produktqualität und Zuverlässigkeit einzugehen. Das hat Spaß gemacht und die Perspektive erweitert.

Frage: Zu Entwicklung und Wärmetechnik, dem roten Faden Ihres bisherigen Berufslebens, kamen also Vertrieb und Auslandserfahrung hinzu. Nun zum Thema Werkstoffe: BBT Thermotechnik verfolgt eine anwendungsorientierte Multi-Werkstoff-Strategie. Das heißt, in der Fertigung wird für jeden Anwendungsfall der passende Werkstoff eingesetzt. Welche sind die wichtigsten Werkstoffe?

Dr. Jürgen Sterlepper: Das kann man nicht pauschal beantworten. Es kommt immer auf das Zusammenspiel von Werkstoff und Konstruktion an. Die Konstruktion muss dem Werkstoff gerecht werden und seine spezifischen Vorteile nutzen. Deshalb ist niemals ein Werkstoff an sich gut oder schlecht, sondern muss immer in Zusammenhang mit Konstruktion und Einsatzbereich gesehen werden. Aluminium beispielsweise setzen wir insbesondere für wandhängende Brennwertkessel bis 120 kW ein. Grauguss bevorzugen wir für bodenstehende Kessel bis 1200 kW. Daneben spielen Stahl, Edelstahl und Kupfer eine wichtige Rolle.

Frage: Wie wird über die Auswahl der Werkstoffe und möglicher Kombinationen entschieden?

Dr. Jürgen Sterlepper: Die jeweiligen Bedürfnisse der unterschiedlichen regionalen Märkte und Marktsegmente müssen befriedigt werden. Wir verfügen sowohl technisch als auch hinsichtlich der Marktkenntnis über langjährige internationale Erfahrungen. Wärmetauscher werden bei Buderus seit über hundert Jahren entwickelt und hergestellt. Nefit hat vor etwa 25 Jahren als Erster Aluminium-Wärmetauscher für wandhängende Brennwertgeräte eingesetzt und der Brennwerttechnik zum Durchbruch verholfen. Seitdem wurden, auf ganz BBT Thermotechnik bezogen, über drei Millionen Brennwertkessel aus Aluminium verkauft.

Frage: Wie wird die Entwicklung in der Werkstofftechnik weitergehen?

Dr. Jürgen Sterlepper: Es sind keine Technologiesprünge zu erwarten. In der Thermotechnikbranche bewegen wir uns schon heute in der Nähe der physikalischen Grenze, so dass bei traditionellen Wärmetauschern nur noch Evolutionsschritte erwartet werden, z. B. in der Oberflächenveredelung. Der Einsatz von Kunststoff bei Kessel- und Systemkomponenten wird zunehmen, etwa bei Bauteilen rund um den Wärmetauscher und bei Abgassystemen. Solche Weiterentwicklungen werde ich vorantreiben.

Frage: Hat BBT Thermotechnik eigentlich für jeden Werkstoff und jeden Anwendungsfall Spezialisten?

Dr. Jürgen Sterlepper: Ja, rund fünfhundert Entwickler sind bei BBT Thermotechnik tätig. Der Kunde kann sich auf unsere Systemkompetenz verlassen. Wir wissen, was zueinander passt und was nicht, nicht nur im Bereich Werkstoffe. Wir sorgen zum Beispiel dafür, dass ein Wärmetauscher so konstruiert ist, dass er mit verschiedenen Wasserqualitäten, Gas- oder Ölqualitäten sowie unterschiedlichen Umfeld- und Betriebsbedingungen umgehen kann. Hierbei hilft auch unsere Kompetenz auf dem Gebiet der Regelungstechnik, allen Anforderungen gerecht zu werden. Angesichts der steigenden Ölpreise werden die Produkte für regenerative Energien immer wichtiger. Auch hier sind wir mit unserer Regelungs- und Systemkompetenz gefragt. Im Übrigen können wir als Geschäftsbereich Thermotechnik auf die zentrale Forschungsabteilung der Robert Bosch GmbH zurückgreifen und an neuesten Erkenntnissen der Materialforschung partizipieren. Hier findet eine intensive Zusammenarbeit und ein wichtiger Wissenstransfer statt.

Frage: Wie steht es mit dem Umweltschutz im Bereich Entwicklung?

Dr. Jürgen Sterlepper: Auch die Entwicklung ist nach den Umweltnormen zertifiziert, das heißt, es gibt genaue Vorgaben zur umweltgerechten Entwicklung und Herstellung unserer Produkte. Unsere Werkstoffe sind zudem ausgezeichnet recycelbar. Schon allein, dass unsere Branche als Prototyp für die Produktion langlebiger Konsumgüter angesehen werden kann, ist ein Beitrag für die Umwelt. Unsere Wärmetauscher sind auf 40.000 Betriebsstunden, also rund zwanzig Jahre angelegt.