Imagebroschüre von Junkers

Vor über 95 Jahren: erste „Imagebroschüre“ von Junkers
Innovative Leistung auch bei der Unternehmensdarstellung
Es spricht für den weiten, fortschrittlichen Geist des Technikpioniers Hugo Junkers, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr mit Vorträgen und Ausstellungen begangen wird, dass sein Unternehmen Junkers & Co. bereits um 1913 eine mit 83 Fotos nahezu ausschließlich bebilderte „Imagebroschüre“ herausgab. Für die deutsche Industrie der damaligen Zeit bedeutete diese Form der „Imagebroschüre“ nach heutigem Erkenntnisstand eine Pionierleistung, die Teil der Innovationen von Junkers war. In den „goldenen Jahren“ vor dem Ersten Weltkrieg standen Unternehmensportraits entweder als meist aufwändig gestaltete Jubiläumsbände oder in Form von broschierten Sonderdrucken von Zeitschriftenartikeln wie beispielsweise aus der Fachzeitschrift „Stahl und Eisen“ zur Verfügung.
Bei dem 1895 in Dessau gegründeten Gasgerätwerk Junkers & Co. waren die ersten illustrierten Preislisten vom Ende des 19. Jahrhunderts bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts von zunehmend anspruchsvoller gestalteten Katalogen abgelöst worden. Diese hatten stets auch eine künstlerische Note. Insbesondere gilt dies für den Gesamtkatalog von Junkers & Co. aus der Zeit um 1905, dessen Titelbild ein außerordentlich gelungenes Beispiel für die Übernahme des Jugendstils durch die Industrie zeigt.
Das junge Thermotechnikunternehmen bezog im Frühjahr 1896 einen zweigeschossigen Fabrikneubau in Dessau (heute Wohnhaus), dessen Raumkapazität bereits zwei Jahre später schon nicht mehr reichte und einen ersten Erweiterungsbau auf dem Betriebsgelände notwendig machte. 1906 wurde von Junkers & Co. in Dessau eine neue Fabrikanlage errichtet, die aufgrund der anhaltend erfolgreichen Entwicklung 1911 wesentlich erweitert werden musste. In den Jahren 1912 und 1913 entstanden in dem vergrößerten Gasgerätewerk zahlreiche fotografische Aufnahmen, die im Firmenarchiv von Junkers & Co. überliefert sind, das sich im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau, befindet. Ein Großteil dieser Fotodokumentation diente als Bildvorlage für die Broschüre.
Der künstlerisch gestaltete Umschlag der Broschüre mit dem Schriftzug „Junkers“ vermittelt bereits, dass es sich hier nicht um Produktwerbung, sondern um eine „Imagebroschüre“ handelt. Die auf den Rücktitel übergehende Zeichnung zeigt die großräumige und architektonisch beeindruckende Fabrikanlage mit zahlreichen herausströmenden Mitarbeitern. So entsteht bereits ein dynamischer, nach Vorne gerichteter erster Eindruck. Dies setzt sich im Innenteil mit einer für die damalige Zeit erstaunlich modern anmutenden grafischen Darstellung der rasanten Umsatzentwicklung in der Zeit von 1901 bis 1912 fort. Eingebettet sind hier Abbildungen der zahlreichen Auszeichnungen, die „Prof. Junkers Gas-Apparate zur Warmwasser-Versorgung und Raumheizung“ seit der Weltausstellung in Chicago im Jahre 1893 erhielten.
Ein weiterer Ausdruck der neuartigen Form der Broschüre besteht darin, dass sich die schriftliche Unternehmensbeschreibung auf lediglich eine Textseite beschränkt. Einleitend heißt es hier, dass die Fabrik aus „kleinsten Anfängen hervorgegangen“ sei. Wegen ihrer technischen Innovationskraft und des stets vorherrschenden Prinzips, nur Produkte höchster Qualität zu liefern habe man sich „zu einer tonangebenden Firma“ entwickelt: „Die Konstruktionen beruhen auf wissenschaftlichen Forschungen, langjährigen praktischen Versuchen und reichen Erfahrungen.“ Die Apparate von Prof. Junkers seien auf ihren Gebieten „bahnbrechend geworden“ und stünden „nach wie vor an erster unerreichter Stelle“. Die größte „Anerkennung für ihre Güte“ bedeute die anhaltend starke Umsatzentwicklung.
Auf 38 Seiten wird in dieser frühen „Imagebroschüre“ Bildmaterial der Fabrikationsanlagen (einschließlich der früheren Fabrik), der kaufmännischen Bereiche sowie der Verkaufsstellen mit großen Ausstellungsräumen in Berlin, Köln, Stuttgart und Leipzig gezeigt. Ein Hinweis auf die zahlreichen Auslandsvertretungen von Junkers in Europa und auch in Übersee vermittelt am Ende der Broschüre das Bild eines international aufgestellten Unternehmens.
Der innovative Geist von Hugo Junkers zeigte sich auch später nicht nur bei der Entwicklung seiner Flugzeuge ab 1915 (das erste Ganzmetallflugzeug der Welt wurde in jenem Jahr in seiner in der Vorkriegszeit fotographisch bestens dokumentierten Fabrik gebaut), sondern auch bei der Unterstützung des Bauhauses, das seit 1925 in Dessau ansässig war. Zugleich machte sich Junkers den avantgardistischen, modernen Stil des Bauhauses für seine Werbung zu Nutze. Den Höhepunkt der Zusammenarbeit bildete der vom Bauhaus gestaltete Messestand von Junkers & Co. auf der großen Ausstellung „Gas und Wasser“ Berlin 1929, der von den Zeitgenossen als „epochal“ empfunden wurde.
Im Jahre 1932 ging das Gasgerätewerk Junkers & Co. an Bosch über, da Junkers während der Weltwirtschaftskrise in eine finanzielle Schieflage geraten war und durch diesen Verkauf seine übrigen Unternehmensteile zunächst vor fremdem Zugriff bewahren konnte. Die Tatsache, dass Junkers heute eine innovative und internationale Marke der Bosch Thermotechnik GmbH ist, zeigt auch in der Gegenwart noch die Nachhaltigkeit des innovativen Geistes des Firmengründers Hugo Junkers.