Elisabetha Magdalena Buderus

Eine starke Frau
Das Leben der Elisabetha Magdalena Buderus
Die Geschichte und die Existenz des Unternehmens Buderus sind mit dem Namen und Wirken einer außergewöhnlichen Frau verbunden: Elisabetha Magdalena Buderus geborene Nies.
Am 11. Oktober 1731 heiratet Johann Wilhelm Buderus I. die 24jährige Pfarrerstochter und Hofdame der Gräfin zu Solms-Laubach. Auch gesellschaftlich gesehen war das eine gute Partie und mit dem Zugang zu einflussreichen Kreisen verbunden. Im selben Jahr hatte Buderus die Friedrichshütte gepachtet und wurde fortan „Hochgräflicher und Herrschaftlicher Hüttenadmodiator“ genannt. Der Tag der Zahlung der Kautionssumme von 2.000 Gulden für die Friedrichshütte, der 14. März 1731, gilt als der Gründungstag des Unternehmens Buderus.
In den 22 Ehejahren brachte Elisabetha sieben Kinder zur Welt, der erste Sohn starb im Alter von zwei Monaten. Mit dem Tod des Ehemannes 1753 geriet Elisabetha Magdalena in eine für die damalige Zeit ungeheuer schwierige Lage: Sie war 46 Jahre alt, hatte sechs eigene Kinder zu versorgen und fünf aus der ersten Ehe ihres Mannes. Diese musste sie nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes ausbezahlen, was ihre finanzielle Situation noch weiter verschärfte.
Elisabetha Magdalena aber nahm die Herausforderung an und führte fortan die Friedrichshütte, die mit etwa 10 Beschäftigten eine Tagesleistung von durchschnittlich einer Tonne Roheisen erbrachte.
Doch es kam noch schlimmer. Noch im selben Jahr wurde der Hüttengraben durch Hochwasser zerstört und im darauf folgenden begann der Siebenjährige Krieg. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kämpften England, Preußen, Hannover und Hessen-Kassel gegen Frankreich, Russland, Österreich-Ungarn, Sachsen und Schweden um Schlesien. Kriegsschauplatz war nicht nur Europa, sondern auch Amerika und Indien. Der Sieg der englisch-preußischen Allianz führte zu weltweit bedeutenden politischen Veränderungen: Preußen erhielt Schlesien und England große Teile Kanadas. Frankreich verlor seine Kolonien am Mississippi, was in der Folge mit ein Auslöser für die amerikanische Unabhängigkeit war.
Über diese stürmischen Zeiten hinaus hatte Elisabetha Magdalena Buderus auch noch andere Sorgen, alltägliche und schier unlösbare. Vor allem im Kriegsjahr 1759: Nach der Schlacht bei Minden am 1. August zogen sich die unterlegenen französischen Truppen an die Lahn und in die Wetterau zurück. Das nachstoßende Heer des Herzogs Ferdinand von Braunschweig bezog nach einem verlorenen Gefecht um die Wetzlarer Lahnbrücke Winterquartier zwischen dem Kloster Altenberg und Wetzlar. Insgesamt lagerten über 100.000 Soldaten in diesem Gebiet, was einem Vielfachen der dort seinerzeit lebenden Bevölkerung entsprach.
Die Durchzüge und Einquartierungen von Truppen, vor allem in diesem Herbst 1759, verbunden mit Kämpfen und Plünderungen nahmen Elisabetha Magdalena fast alles – nur nicht ihren Mut und ihre Standhaftigkeit. Sie besorgte sich teure Schutzbriefe, die aber nicht die ständigen Überfälle auf die Hütte verhindern konnten. Lebensmittel, Wäsche, Viehfutter, Möbel und selbst die Kohle für die Meiler wurden immer wieder von den Truppenrequiriert. Und obwohl kein Geld mehr da war, um Kohlholz zu kaufen, leitete sie den Betrieb weiter, wobei sie der Fürstlich Stolbergische Hüttenfaktor Johann Jakob Schneider mit fachkundigem Rat unterstützte.
Noch vor Ende des Krieges nahm Elisabetha ihren 21 Jahre jungen Sohn Johann Wilhelm, der aber bereits eine hüttenmännische Ausbildung absolviert hatte, in das Unternehmen auf.
Elisabetha Magdalena war, nach allem was wir heute wissen, eine strenge, aber auch umsichtige Mutter und Ratgeberin. Sie ließ den Sohn täglich Buch und Rechnung über seine gesamte Tätigkeit führen und gab schriftliche Anweisungen als Leitlinien für seine berufliche Tätigkeit, persönliche Weiterentwicklung und körperliche Ertüchtigung. Diese handschriftliche Anleitung ist ein meisterlicher Bildungsplan, der Johann Wilhelm systematisch auf seine künftige Aufgabe vorbereitete: die Übernahme und Führung der Friedrichshütte.
Als eine der wesentlichsten Richtlinien für seinen Lebenswandel betonte die Mutter die enge Schicksalsgemeinschaft von Arbeitern und Unternehmer. Den Arbeitern sollte er „mit gutem Exempel vorangehen“, gleichzeitig aber auch „auf die Arbeiter die nöthige Aufsicht jederzeit halten“ und „über die vorfallenden Geschäfte gemeinschaftliche Abrede zunehmen, damit alles in guter Ordnung geführet, eine beständige Eintracht, als die Seele einer guten Haushaltung erhalten und der gemeinschaftliche Nutzen gefördert werden möge“.
Elisabetha Magdalena Buderus muss einen starken Willen, hohes Durchsetzungsvermögen und im Wortsinne eiserne Disziplin gehabt haben. Ohne diese Eigenschaften hätte sie unmöglich diese für eine Frau in der damaligen Zeit äußerst ungewöhnliche Aufgabe erfüllen können. Nachdem die Leitung der Friedrichshütte 1768 auf Johann Wilhelm Buderus II überging, heiratete dieser die Tochter eines vermögenden Hüttenherrn.
Über das Leben von Elisabetha Magdalena sind nach dieser Zeit keine Überlieferungen vorhanden. Sicher ist jedoch, dass sie noch miterlebte, wie ihr Sohn gemeinsam mit seinem Schwager den Eisenhammer zu Schellnhausen pachtete und damit den ersten unternehmerischen Schritt über die engen Grenzen der Grafschaft Solms-Laubach hinaus machte. Sicherlich wird sie ihrem Sohn bis zu ihrem Tod als Beraterin zur Seite gestanden haben.
Elisabetha Magdalena Buderus geb. Nies starb am 24.November 1788 im hohen Alter von 81 Jahren. Sie war wohl die erste Frau in Deutschland, die einem Unternehmen vorstand. Und dies zu einer Zeit, als es Deutschland eigentlich noch gar nicht wirklich gab.