Wärmepumpen – ein neuer Boom

Attraktive Alternative gegenüber herkömmlichen
Heizsystemen

Sogar im Winter und bei wenig Sonneneinstrahlung ist die Um-welt ein gigantischer Energiespeicher. Erdreich, Grundwasser und Luft enthalten auch bei niedrigen Außentemperaturen noch genügend Wärme, um Heizzwecken dienen zu können. Wärme-pumpen können diese Energiequellen für das Heiz- und Warm-wassersystem nutzbar machen.
In der Schweiz wird bereits jedes zweite neu gebaute Einfami-lienhaus mit einem Erdwärmepumpen-Heizsystem ausge-stattet. Im Ausnahmemarkt Schweden liegt der Marktanteil sogar bei 90 Prozent. Auch in Deutschland hat die Zahl der installier-ten Heizungs- und Warmwasser-Wärmepumpen in den letzten Jahren stark zugenommen und einen Marktanteil von 15 Prozent bei neuen Ein- und Zweifamilienhäusern erreicht.
Abgesehen von diesen Märkten ist die Wärmepumpentechnik in Europa aber noch weitgehend unbekannt und steht erst am An-fang ihrer Entdeckung als umweltschonende, effiziente Methode der Wärmeerzeugung.

Obwohl die Wärmepumpe bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde, schuf erst die zunehmende Energieknappheit in Verbindung mit einer deutlich verbesserten Produktqualität Ende des 20. Jahrhunderts die Basis für eine wettbewerbs-fähige Technik.
Eine Wärmepumpe funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ein Kühlschrank, nur in umgekehrter Richtung. Dieser entzieht den Lebensmitteln die Wärme und gibt sie an die Umgebung ab. Die Wärmepumpe entzieht dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Umgebungsluft Wärme und macht sie für die Raum-heizung und die Trinkwassererwärmung nutzbar. Dabei arbeitet sie äußerst effizient: Mit einem Aufwand von einer Kilowattstunde (kWh) Strom – das ist die notwendige Antriebsenergie für die Wärmepumpe – werden rund drei bis vier Kilowattstunden Heizenergie erzeugt.

Je nach Wärmequelle wird zwischen Erdwärme-, Grundwasser- und Luft-Wärmepumpen unterschieden. 56 Prozent aller neuen Wärmepumpen im privaten Wohnungsbau in Europa arbeiten mit Erdwärmetauschern. Diese können als Erdsonden vertikal in einem Bohrloch oder als Erdkollektoren horizontal verlegt wer-den. Die Vorteile der Erdsonde sind Zuverlässigkeit, geringer Platzbedarf und sehr hohe Jahresarbeitszahlen der Wärme-pumpe.
Auch Flächenkollektoren sorgen für ausreichend gute Jahres-arbeitszahlen der Wärmepumpe, haben jedoch einen höheren Raumbedarf, da eine Überbauung der Fläche nicht möglich ist.

Als weitere Wärmequellen stehen das Grundwasser oder die Umgebungsluft zur Verfügung. Das Grundwasser kann über Saug- und Schluckbrunnen, die Außenluft über Luftkanäle oder freie Ansaugung erschlossen werden. Saug- und Schluck-brunnen benötigen eine geringe Aufstellfläche bei hohen Jahresarbeitszahlen, während die Wärmequelle Luft den geringsten Platz- und Investitionsbedarf, aber auch die nie-drigsten Jahresarbeitszahlen aufweist.

Neben der relativen Unabhängigkeit von Brennstoffpreisstei-gerungen machen Planungssicherheit, lange Lebensdauer und
geringe Emissionen die Wärmepumpe zu einer attraktiven Alternative gegenüber herkömmlichen Heizsystemen. Die im Vergleich zu anderen Heizsystemen meist höheren Investi-tionskosten werden durch die niedrigen und nahezu konstanten Betriebskosten im Laufe der Jahre kompensiert.

Neben der hohen Wirtschaftlichkeit und den erweiterten Ein-satzmöglichkeiten der neue Produktgenerationen sind aber auch hier die politischen Rahmenbedingungen und Fördermaß-nahmen für den Markterfolg dieser umweltschonenden Technik entscheidend.
Insgesamt wurden in Europa 2006 bereits 242 000 Wärmepumpen neu installiert – Tendenz steigend.