Gerechtigkeit für CO2: aber zuviel ist zuviel

Die Bedeutung von CO2 für unser Klimasystem
Ein Teufelszeug, dieses CO2! Tag für Tag hört man von Wissenschaftlern und Politikern, dass von seiner Reduzierung Wohl und Wehe der Menschheit abhänge. Die Debatten muten wie Abrüstungsverhandlungen oder Tribunale an.
CO2 eine Art Chemiewaffe? Dabei kommt es so harmlos daher, ungiftig, farblos und fast geruchlos. Da ein Atom Kohlenstoff mit zwei Atomen Sauerstoff mit Doppelbindungen aneinander gekoppelt sind, ist es ziemlich stabil. Als Gas breitet es sich auch nahezu ungehemmt zwischen Erdmantel und Stratosphäre aus. Heimtückisch geradezu. Offenbar ist es für katastrophale Schäden verantwortlich: Überschwemmungen, Wirbelstürme, Trockenheit, all das soll auf sein unheilgesättigtes Konto gehen. Der Sammelbegriff für all diese Untaten lautet Treibhauseffekt. Nur weg damit!
So könnte man meinen. Und tatsächlich sind die Schreckensmeldungen der durch die Erderwärmung, also durch CO2 verursachten Katastrophen ja nicht erfunden. Auf der anderen Seite gäbe es ohne CO2 kein Leben auf der Erde. Von allen Lebewesen wird es bei der Energiegewinnung in die Umwelt abgegeben. Wenn wir atmen, hauchen wir CO2 aus. CO2 ist natürlicher Bestandteil der Atmosphäre. Dieses und andere Gase sorgen dafür, dass die Sonnenstrahlung, die von der Erde reflektiert wird, nicht ganz in den Weltraum entweichen kann, sondern auf die Erde zurückgeworfen wird. Dadurch haben wir eine Durchschnittstemperatur von etwa 15 Grad, bei der es sich leben lässt, und nicht eine von etwa minus 18 Grad. Dem natürlichen Treibhauseffekt verdanken wir also unsere Existenz.
Der kurzfristige, über den Jahreszyklus sich vollziehende CO2-Kreislauf ist einer der wichtigsten Naturkreisläufe. Er transportiert den für alle Lebewesen notwendigen Kohlenstoff zwischen Luft, Wasser und Boden. Die Pflanzen entziehen der Atmosphäre während ihrer Wachstumsphase durch Photosynthese soviel CO2, dass die Konzentration zum Herbst hin abnimmt. Danach wird durch die Verrottung der Pflanzen wieder mehr CO2 in die Luft abgegeben.
Daneben gibt es einen langfristigen CO2-Kreislauf, der sich über Jahrmillionen erstreckt und dessen Ergebnisse für uns in fossiler Form vorliegen. Indem der Mensch Kohle und Erdöl als Energieträger verwendet und z. B. im Verkehr oder durch die Heizung verbrennt, gibt er zusätzlich CO2 in die Atmosphäre ab. Je mehr davon dort vorhanden ist, desto weniger Sonnenwärme strahlt in den Weltraum zurück und desto wärmer wird es. Der Mensch leitet CO2 aus dem langfristigen in den kurzfristigen CO2-Kreislauf um und bringt dadurch das ganze evolutionär austarierte System des gegenseitigen Stoffausgleichs durcheinander.
Zwar wirkt das Mehr an CO2 auch als Pflanzendünger, aber verglichen mit den sich ergebenden Folgen der Erderwärmung wie schmelzenden Polen und Gletschern und das dadurch verursachte Ansteigen des Meeresspiegels fällt dieser Vorzug nicht ins Gewicht.
Heute liegt der CO2-Anteil in der Atmosphäre um etwa ein Drittel höher als vor der industriellen Revolution vor 200 Jahren. Weltweit ist ein Anstieg der CO2-Emissionen von 1975 bis 2000 um 45 Prozent zu verzeichnen. Das bedeutet, das Problem ist nicht CO2 an sich, sondern dass wir mehr davon erzeugen als unser flexibles, aber auch empfindliches Klimasystem verkraftet. Der CO2-Anteil wird steigen, das ist sicher. Wie sehr, hängt von unserem Umgang mit Energie ab.
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