Der Verschwendung auf der Spur

Wie Gebäudeenergieberater helfen, Kosten einzusparen
Wie Gebäudeenergieberater helfen, Kosten einzusparen
Bekanntlich entfällt der größte Teil der Betriebskosten privater Haushalte auf Heizung und Warmwasserbereitung. Durch Modernisierung sind erhebliche Einsparungen möglich. Hilfe dabei bietet der Gebäudeenergieberater – ohne ihn werden viele Gebäudeeigentümer in naher Zukunft nicht mehr auskommen. Der Grund: Die EU-Gebäuderichtlinie verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten, einen Energiepass für sämtliche Gebäude einzuführen. Die Richtlinie wird frühestens im Januar 2007 gültig und muss innerhalb einer dreijährigen Übergangsfrist verbind-lich in Kraft gesetzt werden. Dann wird der Erwerb des Energiepasses für jedes Gebäude im Falle des Verkaufs oder der Vermietung vorgeschrieben sein. Damit kommt auf den Gebäudeenergieberater eine Menge Arbeit zu. Nur er darf als unabhängiger zertifizierter und registrierter Berater den Energiepass ausstellen. Der Pass enthält unter anderem den Energiekennwert zur Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes, Vergleichswerte zu anderen Gebäuden und Modernisierungsempfehlungen.
Schon heute ist der Gebäudeenergieberater ein gefragter Experte. In der Regelist es der Handwerksmeister, Versorgungstechniker, Architekt oder Bauingenieur, der sich durch eine Zusatzausbildung für diese Aufgabe qualifiziert hat. Auf Antrag des Eigentümers prüft er Wohnbauten, Werkstätten und Fabriken. Zunächst ermittelt er den Wärmedurchgangswert. Definitionsgemäß bestimmt dieser Wert die entweichende Wärmeenergie – bei einem Temperaturunterschied von 1 °C zwischen innen und außen. Anschließend ordnet der Berater das Gebäude in eine bestimmte Energieeffizienzklasse ein und zeigt Möglichkeiten auf, wie der Energieverbrauch verringert werden kann. Martin Kutschka aus Frankfurt, seit 12 Jahren mit seinem Ingenieurbüro in der Energieberatung tätig, erläutert die tägliche Praxis: „Unsere Aufgabe ist ganzheitlich. Das heißt, dass wir die gesamte Gebäudehülle vom Keller über die Fenster bis zum Dach untersuchen. Zugleich prüfen wir die für Heizung und Warmwasserbereitung eingesetzte Haustechnik.“
Die Datenaufnahme dauert in einem Einfamilienhaus etwa zwei Stunden. Anschließend analysiert der Berater den IST-Zustand und erstellt einen detaillierten Bericht, den er dem Auftraggeber im Abschlussgespräch vorstellt. Dazu gehört auch ein Kostenplan, der konkret auflistet, mit welchen Maßnahmen Energieeinsparungen am wirtschaftlichsten zu erreichen sind. Ebenso erfährt der Auftraggeber, welche Fördermittel – sei es für eine neue Heizungsanlage, neue Türen, Fenster oder eine wirksame Dachisolierung – in Anspruch genommen werden können. Die Beratung für ein 1- bis 2-Familienhaus kostet etwa 600 bis 700 Euro. Private Hausbesitzer erhalten dazu seitens der BAFA (Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle) einen Zuschuss von 300 Euro. Für Modernisierungen wiederum, die der Empfehlung des Gebäudeenergieberaters folgen, stehen umfangreiche Förderprogramme zur Verfügung. Es stellt sich die Frage, welche Folgen der Energiepass haben wird. Natürlich kann ein Hausbesitzer sein Gebäude nach der Prüfung im Energie verschwendenden Zustand belassen. Aber: Da der Pass neuen Miet- und Kaufinteressenten vorgelegt werden muss und die Betriebskosten transparenter macht, dürften Energiefresser künftig auf Ablehnung stoßen.
Martin Kutschka ist optimistisch: „Die Bereitschaft, in Energie sparende Maßnahmen zu investieren, ist drastisch gestiegen. Trotzdem besteht noch eine Unwissenheit und Unsicherheit in der Bevölkerung, und gerade das macht eine fundierte Beratung unverzichtbar.“ Kutschka outet sich als Befürworter von Brennwerttechnik kombiniert mit Solarthermie: „Im allgemeinen Marktdurchschnitt wird die Solarthermie nur in 8 Prozent aller Modernisierungsfälle integriert. Nach unseren Vor-Ort-Beratungen sieht das aber ganz anders aus.“
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