Home, sweet home

Der Faktor Behaglichkeit wird auch das Wohnen der Zukunft bestimmen

Der Faktor Behaglichkeit wird auch das Wohnen der Zukunft bestimmen

Die Atmosphäre macht das Klima

Mit den Lebensgewohnheiten der Menschen ändert sich auch ihr Wohnen. Wie sie im Laufe der Zeit ihre Häuser eingerichtet haben, welche Vorlieben sie hatten, ergäbe einen interessanten Blick in die Kulturgeschichte. Doch gleichgültig, wie Menschen ihre Räume im historisch wechselnden Gewand ausstatten, einige Grundbedürfnisse bleiben gleich.
Eines davon ist das Streben nach Wärme und Behaglichkeit. Menschen reagieren im Allgemeinen sensibel auf das, was man etwas hilflos mit „Atmosphäre“ beschreibt, weil es sich um unbewusste Prozesse handelt. Wenn man einen Raum betritt, fühlt man sich zunächst auf eine unbestimmte Weise wohl oder nicht, bevor man nach den Gründen für dieses Befinden sucht. Professor Dr. Gernot Böhme, Physiker und Philosoph an der TU Darmstadt, hat versucht, die „Atmosphäre“ aus dem Bereich des Diffusen herauszuholen. Er definiert Atmosphäre als „die Beziehung zwischen Umgebungsqualitäten und menschlichem Befinden.“

Solche theoretischen Bemühungen sind Ausgangspunkt für Wissenschaftler und Techniker, neue Wohnwelten zu entwerfen, die sowohl dem Behaglichkeitsbedürfnis gerecht werden als auch die technischen Errungenschaften in ökologischer und Kosten sparender Absicht einbeziehen und weiterentwickeln.

Die Zukunft von Wohnung und Haushalt heißt Vernetzung

Wie werden unsere Wohnungen, unsere Häuser in zehn oder zwanzig Jahren aussehen? Abzusehen ist, dass die Technisierung fortschreiten wird. Jedes Jahr verändern neue technische Anwendungen unsere Wohnwelt, so dass bald das, was unlängst noch Utopie der Zukunftsforscher schien, Gegenwart sein wird.

Diese Utopien heißen „vernetztes Haus“, „Intelligentes Haus“ oder „Smart Home“. Sie benennen das Bemühen, die technischen Endgeräte des Haushalts – Waschmaschine, Unterhaltungselektronik, Alarmanlage, PC, Solar- und Lüftungsanlage, Zentralheizung, Verbrauchsmessgeräte etc. – miteinander möglichst schnittstellenfrei kommunikationsfähig zu machen, eine Art Intranet fürs Eigenheim zu schaffen. Das heißt, der Mensch soll sich mit der Technik besser verstehen, indem er sie mehr als je zuvor als unauffälligen, hocheffizienten dienstbaren Geist behandelt. Ob zum Beispiel zu Hause die fernschaltbare Herdplatte brennt, könnte eine digitale Anzeige im eigenen Auto mitteilen. Was sich anhört wie eine Spielerei technikverliebter Ingenieure, hat einen dreifachen Sinn: Zum einen geht es durch die Informations- und Kommunikationstechniken darum, ein Mehr an Komfort und Behaglichkeit zu schaffen, das „Home-sweet-home-Gefühl“, ohne dass es für die Bewohner einen Mehraufwand bedeutet. Dann sollen durch intelligenten Informationsfluss Energie und Kosten eingespart werden. Und schließlich – das Beispiel mit dem Herd macht es deutlich – soll die Sicherheit erhöht werden.

Entscheidend ist, dass die Funktionalitäten eines „Smart Home“ gleichsam im Stillen vor sich gehen und, falls etwas nicht klappt, keine Ohnmachtsgefühle entstehen, sondern dass die Technik weitgehend automatisch und trotzdem individuell abläuft.

Da gibt es schon die raffiniertesten Szenarien: Man kommt nach Hause, das Licht geht in der gewünschten Stärke an, das Badewasser läuft ein, die Kaffeemaschine geht an, man geht ins Wohnzimmer, sagt, „die Nachrichten bitte“ und eine Projektionsfläche wird heruntergelassen. Haben Sie Angst davor, dass jemand einbricht, während Sie in Urlaub sind? Dann kann man Beleuchtung und Jalousien so steuern, dass ein bewohntes Haus simuliert wird. Wollen Sie Energie sparen? Geräte mit hohem Energieverbrauch können automatisch angeschaltet werden, wenn der Tarif günstig ist. Über einfache Sprachbefehle werden solche Funktionen aktiviert.

Technik muss unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen

Nun ist bekanntlich nicht alles sinnvoll, was man technisch machen könnte. Und auch die Bedürfnisse der Menschen sind verschieden. Manch einer zieht es vor, die Jalousie selbst per Hand herunterzulassen, weil es ihm vielleicht unheimlich wird, wenn wie von Geisterhand alles automatisch geht. Möglicherweise fühlt er sich auch von der Technik bevormundet. Die meisten Techniker, Zukunftsforscher und Sozialwissenschaftler sind sich dieser Problematik bewusst: Das Berliner Sozialwissenschaftliche Institut (BIS) hat Indikatoren für die Akzeptanz von Technik erforscht.
Demnach hängt der Markterfolg technischer Geräte von der Möglichkeit ihrer Integration in den Alltag und vom Lebensstil des Einzelnen ab. Für folgende Anwendungsfelder wurden die Möglichkeiten eines Smart Home identifiziert:

1. Haushalt/Alltagsorganisation
2. Information/Kommunikation
3. Versorgung/Pflege/Betreuung
4. Bildung/Ausbildung
5. Unterhaltung/Freizeit
6. Sicherheit
7. Mobilität
(Quelle: www.bis-berlin.de)

Um die Möglichkeiten „intelligenten Wohnens“ zu testen, sind verschiedene Projekte ins Leben gerufen worden. Eines davon ist das „Innovationszentrum Intelligentes Haus Duisburg", kurz „inHaus“ genannt.
Es ist eine Art Forschungslabor, bestehend aus einem Wohnhaus, einem Werkstatthaus, einem vernetzten Fahrzeug und einem vernetzten Garten. Ziel ist die Verbindung von Ideen, Technologien, Produkten und Aktivitäten sowie die Beobachtung der tatsächlichen Praktikabilität dieser Vernetzung im Hinblick auf Alltagsbedürfnisse. Um das herauszufinden, müssen Versuchspersonen herhalten. Im schweizerischen Dorf Hünenberg steht ein Reihenhaus, das als „Internet-Haus“ deklariert wurde. Eine Art Musterfamilie kann darin drei Jahre kostenlos wohnen, muss allerdings die technischen Installationen in Gang halten, warten und erproben. Dabei werden sie von einer Webcam gefilmt, deren Bilder unter www.futurelife.ch ins Internet eingespielt werden.

Die Haustechnik und alle elektrischen Geräte, die bisher einzeln arbeiteten, können mittels Home Electronic System miteinander kommunizieren.